Jahrzehntelang ging es mit dem Ölpreis von kleinen Ausnahmen abgesehen stetig nach oben. 2012 und nochmals 2020 hat sich der Ölpreis jeweils halbiert. Doch alle Beobachter sind sich einige, dass es nicht ewig so weitergehen wird. Spätestens wenn die Förderung von Schieferöl und Öl aus Teersanden oder anderen alternativen Quellen unrentabel geworden ist, erwarten viele Experten einen erneuten Preisanstieg. Mit einem Brent Oil ETF könnten Anleger davon profitieren. Aber auch ETCs werden angeboten, was ist da die bessere Wahl? Und sind Gewinne wirklich so sicher wie es manche Werbung für Öl-ETFs verspricht?
Jetzt zu eToro eToro ist eine Multi-Asset-Investmentplattform. Der Wert Ihrer Anlagen kann sowohl steigen, als auch fallen. Ihr Kapital ist Risiken ausgesetzt.Brent Oil ETF in Stichpunkten
- Seit 2015 sinkender Ölpreis
- 2020 hat sich der Ölpreis nochmals halbiert
- Knapper werdende Ressourcen könnten Ölpreis treiben
- Ölpreis stark von OPEC abhängig
- OPEC-Korb als Alternative zu Brent Oil
- Notierung in US-Dollar je Barrel (Faß)
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1. Der Ölpreis
Wie bei fast jedem Handelsgut wird der Preis für Öl von Angebot und Nachfrage bestimmt. Allerdings gibt es auch eine Besonderheit, denn mehrere wichtige Förderländer haben sich in der OPEC zusammengeschlossen. Der Organisation erdölexportierender Länder mit Sitz in Wien gehören vor allem Förderländer aus dem Nahen Osten an, aber auch afrikanische und zwei südamerikanische Staaten. Lange Zeit sorgte die OPEC fast ununterbrochen für steigende Preise, denn bei einem Nachfragerückgang drosselte das Kartell die Förderung.
Seit 2012 sinken die Preise allerdings, ohne dass die OPEC große Schritte dagegen unternommen hätte. Verantwortlich für den Rückgang ist vor allem das gestiegene Angebot von Öl aus den USA. Was viele nicht wissen: Das Land ist nach Saudi-Arabien und Russland der größte Erdölförderer weltweit, es übertrifft OPEC-Staaten wie den Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate oder den Iran jeweils um mehr als das doppelte. Vor allem durch die gefallenen Preise für die Förderung von Schieferöl weiteten die Vereinigten Staaten ihre Produktion deutlich aus, was die Preise zunächst dort und dann weltweit zurückgehen lies.
Die OPEC kürzte die Fördermenge allerdings überraschend nicht, sondern akzeptierte einen Preisverfall, mutmaßlich um die Schieferölförderung unwirtschaftlich werden zu lassen. Marktbeobachter sprechen schon von einem „Energy War“. Tatsächlich dürften die niedrigen Preise mittelfristig zur Stilllegung von Förderkapazitäten führen. Dann könnten auch die Preise wieder steigen.
2. Was man zum Ölpreis wissen muss
Öl wird vor allem an Terminmärkten gehandelt. Im Regelfall kaufen die Kunden also nicht ein Fass (Barrel) Öl zur sofortigen Lieferung, sondern zur Lieferung an einem bestimmten Zeitpunkt. Es gibt allerdings auch einen Kassa- oder Spotmarkt, an dem der Rohstoff zur sofortigen Auslieferung verkauft wird. In den Zeitungen oder im Fernsehen dargestellte Kurse beziehen sich meist auf diesen Spotmarkt.
Außerdem ist Öl nicht gleich Öl, wie auch bei Kaffee, Äpfeln oder Birnen gibt es verschiedene Sorten. In Europa wird vor allem die Sorte Brent als Referenzpreis betrachtet, sie stammt aus dem gleichnamigen Feld bei den zu Großbritannien gehörenden Shetlandinseln. Gehandelt wird der Rohstoff fast ausschließlich an der ICE Futures in London, die wie die New York Stock Exchange zur IntercontinentalExchange (ICE) in Atlanta gehört.
Daneben existieren noch eine Reihe weiterer Ölsorten. Die OPEC hat zur Beobachtung der Preisentwicklung einen Korbpreis entwickelt, der sich aus den Kursen für die zwölf wichtigsten Sorten des Kartells berechnet. ETFs werden in Europa aber vor allem auf Brent Oil angeboten.
Auch in London gelten die Standardregeln des durch die USA geprägten internationalen Ölmarktes. So werden die Preise nicht je Liter angegeben, sondern je Fass, englisch Barrel. Ein US-Barrel besteht aus 42 Gallonen zu je acht Pint und entspricht rund 159 Litern. Außerdem werden die Preise nicht in Euro oder in britischen Pfund, sondern in US-Dollar notiert. Wer den Preis für einen Liter Rohöl errechnen will, muss also zunächst die Menge und dann die Währung umrechnen.
3. Chancen und Risiken
Vieles spricht dafür, dass der Ölpreis mittelfristig wieder steigt. Die Weltbevölkerung nimmt stetig zu, ihr Wohlstand auch. Gleichzeitig werden immer mehr leicht zugängliche Ölquellen leer gepumpt. Außerdem lohnt sich die Ölförderung bei den aktuellen Preisen an teuren Standorten nicht mehr, bleibt der Ölpreis niedrig, dann müssten diese Felder aufgegebene werden. Dadurch sinkt das Angebot wieder, der Preis steigt. Viele Marktbeobachter vermuten, dass genau das auch das Kalkül der OPEC ist und sie deshalb den Kurs so niedrig lässt. Auch politische Krisen in Russland oder im Nahen Osten können als Preistreiber wirken.
Garantiert ist der Anstieg aber nicht, die Preise könnten auch längerfristig niedrig bleiben. Beispielsweise, weil neue Fördertechniken das Erschließen neuer Quellen erlauben. Oder weil Förderländer Geld brauchen und deshalb mehr Öl aus der Erde pumpen lassen.
Auch neue Energiequellen könnten die Nachfrage mittel- bis langfristig senken. Allerdings ist kurzfristig nicht damit zu rechnen. Außerdem dient Öl nicht nur als Energierohstoff, sondern auch als Basis für viele Produkte der Chemieindustrie. Weil Öl in US-Dollar gehandelt wird, gibt es allerdings ein Wechselkursrisiko. Fällt der US-Dollar gegenüber dem Euro, dann wird auch Öl in Euro gemessen billiger. Einige ETFs sichern sich dagegen ab, das allerdings kostet zusätzliche Gebühren.
4. ETF oder ETC auf Öl
Wer auf einen steigenden Ölpreis setzen will, der kann das auf verschiedene Arten tun, beispielsweise mit einem börsengehandelten Fonds, einem ETF (Exchange Traded Fund). Dieser bildet einen Ölpreis oder einen Preisindex nach, ein Brent Oil ETF beispielsweise den der Ölsorte Brent. Dazu investiert der Fonds im Regelfall in Terminkontrakte auf Öl der Sorte Brent an der ICE Futures in London.
ETFs haben den Vorteil, dass sie als Sondervermögen angelegt sind. Das Geld wird also getrennt vom Vermögen der Investmentgesellschaft verwaltet und bleibt auch bei deren Insolvenz bestehen. Allerdings haben solche Rohstoff-ETFs den Nachteil, dass die ihnen zugrunde liegenden Futures regelmäßig fällig werden. Vorher müssen sie verkauft werden, sonst erhält die Fondsgesellschaft unter Umständen statt Geld 10.000 Barrel Öl. Durch das regelmäßige Erneuern der Terminkontrakte, das sogenannte Rollen, entstehen aber Kosten.
Die wollen ETCs geringer halten. Bei diesen Exchange Traded Commodities handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen, man könnte den Unterschied also mit dem von Aktienindex-Fonds zu Indexzertifkaten vergleichen. Auch bei ETCs besteht wie bei Indexzertifikaten ein Emittentenrisiko, geht die ausgebende Bank Pleite, ist auch das Zertifikat ganz oder überwiegend wertlos.
Außer auf Brent Oil gibt es ETFs und ETCs natürlich auch auf andere Ölsorten oder Bündel von Ölsorten, beispielsweise den ETFS Gasoline ETC (WKN A0KRJY), der den Bloomberg Unleaded Gasoline Subindex und damit den Preis für bleifreies Benzin nachbildet.
5. Fazit: Brent Oil ETF
Über ETCs und ETFs können Anleger von einem steigenden Ölpreis profitieren. Gewinne sind aber auch hier nicht garantiert, schon gar nicht kurzfristig. Wer auf Brent Oil ETF setzen will, der sollte vorher die Investition gut durchdenken. Grundsätzlich kann ein Investment in Rohstoffe oder Rohstofffirmen als Teil einer diversifizierten Anlagestrategie aber sinnvoll sein.
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